·

Abseits der Theorie: Humanitäre Hilfe ganz praktisch

Sieger-Projekt:„Robin-Hood-Food“; Foto: FH Münster / Dzemila Muratovic

Im Seminar „Humanitäre Aktion“ vermitteln Dr. Jan Makurat und das Jugendrotkreuz Westfalen-Lippe Studierenden der Oecotrophologie an der Fachhochschule Münster ernährungsbezogenes Engagement.

Im Seminar „Humanitäre Aktion“ vermitteln Dr. Jan Makurat und das Jugendrotkreuz Westfalen-Lippe Studierenden der Oecotrophologie an der Fachhochschule Münster ernährungsbezogenes Engagement. „Im Jugendrotkreuz haben wir uns schon lange zur Aufgabe gemacht, Menschlichkeit auf Wegen zu vermitteln, die aktivierend wirken und (Selbst-)Erfahrungen ermöglichen. Da war es naheliegend, dass wir sofort ‚Ja!‘ gesagt haben, als Dr. Jan Makurat als Nachwuchsprofessor an der FH Münster eine Zusammenarbeit angeregt hat,“ erläutert Bildungsreferentin Katharina Plate, wie die Idee zum Seminar „Humanitäre Aktion“ entstanden ist. Dr. Makurat ergänzt: „Unser Ziel ist es, den humanitären Gedanken des Roten Kreuzes in die Fachhochschule zu tragen und Studierende für humanitäres Engagement zu begeistern. Dafür wollten wir ihnen die Möglichkeit geben, Projektideen zu entwickeln und in der Praxis umzusetzen – etwas, das im regulären Studienalltag bislang selten möglich ist.“  Fünf studentische Teams erhielten so im Seminar die Aufgabe, ein ernährungsbezogenes Projekt auf dem Gebiet der humanitären Hilfe oder im sozialen Bereich eigenständig zu konzipieren, umzusetzen und sich abschließend dem Votum einer Jury zu stellen. Begleitend erhielten die Student*innen die Möglichkeit, sich von verschiedenen DRK-Gastreferent*innen bei der Ideenfindung inspirieren zu lassen. Die Jury, bestehend aus Prof. Dr. Joachim Gardemann und Petra Seyfferth vom FH-Kompetenzzentrum Humanitäre Hilfe sowie JRK-Landesleiter Sören Wiebusch und Bildungsreferentin Plate vom Jugendrotkreuz waren von den vielfältigen Projektergebnissen begeistert.  Im Sieger-Projekt „Robin-Hood-Food“ entwickelten vier Studentinnen ein Kochbuch für die Tafeln mit Rezepten und Tipps, etwa zur Lagerung von Lebensmitteln. Das Team stellt das Kochbuch allen Tafeln, die es an ihre Kund*innen weitergeben möchten, zur Verfügung. Einige Tafeln bieten es bereits auf ihren Websites an. Das Buch ist im PDF-Format auch auf der FH-Website unter www.fh-muenster.de/tafel abrufbar. Auch das Projekt „Märchenküche“ überzeugte mit seinem Konzept, Kindern aus Kitas und Grundschulen den sinnlichen Zugang zu Lebensmitteln und Ernährung auf Basis bestehender Märchen näherzubringen. Herausgekommen ist dabei ein umfangreiches und selbstillustriertes Buch, in dem Kinder zum Beispiel das Lebensmittel Honig über die Geschichte „Die Bienenkönigin“ erleben können. Der Vorstand des DRK-Landesverbandes Westfalen-Lippe e.V., Dr. Hasan Sürgit, hat inzwischen angeboten, das Buch im DRK-Verlag drucken und an alle DRK-Kitas im Verbandsgebiet verteilen zu lassen.  Im Projekt „ProPreg“ entwickelte das Team eine Zwischenmahlzeit, die einen Beitrag zur Versorgung von schwangeren Geflüchteten mit kritischen Nährstoffen leisten kann. Im Projekt „KulturHappen“ konzipierten Studierende gemeinsam mit Migrant*innen Kochboxen zu der Frage, wie der Austausch über das Essen die interkulturelle Kompetenz stärken kann. In einem weiteren Projekt ist ein Ratgeber für das eigenständige Leben zu Hause entstanden. Er richtet sich an Männer, die in der Wohnungslosenunterkunft „Christophorushaus“ gelebt haben und nun einen eigenen Haushalt führen.  „Sämtliche Projektgruppen haben in diesem Seminar sehr kreative und praxisnahe Ergebnisse erarbeitet, und das trotz der aktuellen Hürden“, resümiert Dr. Makurat. „Erfreulich finde ich, dass die fünf Projektteams vielfältige Zugänge zur Aufgabenstellung gefunden haben.“ Die Zusammenarbeit des Kompetenzzentrums Humanitäre Hilfe und des Jugendrotkreuzes ist mit Abschluss des Seminars noch nicht beendet. Dr. Makurat und Plate sind sich einig: „Nach diesem Erfolg geht es erst richtig los!“ Foto FH Münster / Dzemila Muratovic